Geschichte

Das fast hundert Jahre alte Steam Ship Sudan ist letzter Zeuge der Schifffahrt auf dem Nil während der Belle Epoque. In seinem Kielwasser liegt die Weitsicht eines Thomas Cook und die Geschichte der Kreuzfahrten auf dem Nil.

1869 Mit der Eröffnung des Suezkanals wird der Seetransport zwischen Europa und Asien wesentlich erleichtert. Hiervon profitieren Wirtschaft und Tourismus in Ägypten. Thomas Cook, ein voraussehender britischer Unternehmer, setzt auf dieses Land, in dem sich tausendjährige Geschichte mit selten süßem Leben vereint. Von der Attraktivität eines solchen Potentials für die britische Aristokratie überzeugt, organisieren Cook und sein Sohn (Cook & Son) die erste Kreuzfahrt auf einem vom Khedive (Vizekönig) gemieteten Dampfschiff.

1876 Ägypten wird zum britischen Protektorat. Cook kann nun seine Reisen auf dem Nil ungehindert weiterentwickeln. 1880 erhält er die Konzession für den gesamten Touristen-Schiffsverkehr. 1884 werden seine Boote für den Krieg im Sudan beschlagnahmt und er erhält sie nur beschädigt zurück. Der Brite ergreift diese Gelegenheit, um eine eigene Flotte, mit einem ersten Dampfschiffgeschwader auf die Beine zu stellen. Die Schiffe Prince Abbas, Tewfik und Ramses werden in Schottland in Einzelteilen gefertigt und dann in Kairo zusammengebaut.

1899 Cook dehnt seinen Einflussbereich auf die Ufer des Nils aus und baut das Hotel Old Cataract in Assuan, das für die Unterkunft der Kreuzfahrt-Teilnehmer bestimmt ist, da diese dort Zwischenstation machen müssen um zur Weiterfahrt zu den Tempeln des oberen Nubiens auf ein anderes Schiff umzusteigen. Der im Jahre 1902 eingeweihte Staudamm von Assuan hat die Ausgangslage geändert. Die Anzahl der Kreuzfahrt-Touristen steigt ständig.

1911-1921 Eine neue Cook-Dampfschiff-Flotille, bestehend aus Egypt, Arabia und Sudan wird geschaffen. Diese schnelleren Schiffe reduzieren die Dauer einer Kreuzfahrt zwischen Kairo und Assuan auf 20 Stunden. Ladies und Gentlemen drängen sich an Bord.

1922-1935 Die Sudan und der Fluss-Tourismus auf dem Nil stehen auf ihrem Höhepunkt. Diplomaten, Geschäftsleute und Archäologen verreisen, um Ägypten und seiner Denkmäler kennen zu lernen. Im Jahre 1933 fährt auch die Krimautorin Agatha Christie in Begleitung ihres, archäologischen Aufträgen nachgehenden Ehemanns an Bord dieses Schiffs auf dem Nil und findet dort den Stoff für ihren berühmten Roman Tod auf dem Nil.

1939-1991 Mit dem zweiten Weltkrieg endet der Ägypten-Tourismus. Die Sudan bleibt 50 Jahre verlassen am Kai. Nach der Demokratisierung des Tourismus und dem neuen Boom der Nil-Kreuzfahrten nimmt zu Beginn der neunziger Jahre ein ägyptischer Reeder die Sudan wieder in Betrieb und nutzt sie für ein deutsches Reiseunternehmen. Das Schiff wird dann jedoch erneut wieder aufgegeben.

2000 Zwei leitende Mitarbeiter von Voyageurs du Monde entdecken eine in schlechtem Zustand befindliche Sudan. Sie tun sich mit dem ägyptischen Reeder zusammen und nach 6-monatiger Reparatur wird das Schiff wieder zu Wasser gelassen.

2006 Voyageurs du Monde erhält totale Verfügung über das Schiff. Bedeutende Arbeiten werden vorgenommen um das Schiff zu modernisieren und zu restaurieren und ihm seinen ehemaligen Charme wieder zu verleihen. Das Steam Ship Sudan setzt seine Nilreisen und seine Geschichte fort.

2011 Im Juni ging das Schiff (wie alle 4 Jahre) zu einer Generalinspektion ins Trockendock. In diesem Jahr wurden seine Maschinen vollständig überholt, und weisen nun hinsichtlich Energiebilanz und Schalldämmung deutliche Fortschritte auf. Die Küchen wurden verbessert und an den Ufern des Nils wird zur Versorgung des Restaurants ein großer Gemüsegarten geschaffen werden.